Twitch schließt Streamer standardmäßig in das Amazon AI-Training ein und löst damit heftige Kritik an der Einstellung aus

Twitch hat am 12. August angekündigt, dass Streamer nun der Verwendung ihrer Inhalte für das Training von Amazons generativen AI-Modellen widersprechen können. Der Haken dabei: Die Einstellung ist standardmäßig aktiviert, was bedeutet, dass Amazon die Übertragungen, Clips, Chats und Kanalinhalte von Streamern für das AI-Training genutzt hat und weiterhin nutzen wird, es sei denn, die betroffene Person findet aktiv den Schalter und schaltet ihn aus.
Die neue Steuerung befindet sich unter „Sicherheit und Datenschutz“ in den Kontoeinstellungen und trägt die Bezeichnung „Training für generative AI“. Wenn Sie diese Funktion deaktivieren, wird Amazon daran gehindert, die Live-Streams, Video-on-Demand-Inhalte, Clips, Highlights, Chat-Protokolle und Bilder eines Kanals für zukünftiges Modelltraining zu verwenden. Bereits erfolgt Training an früheren Inhalten wird dadurch nicht rückgängig gemacht.
Warum das über Twitch hinaus von Bedeutung ist
Twitch gehört zu Amazon, und dies ist die bislang deutlichste öffentliche Bestätigung dafür, dass die Plattform heimlich Creator-Inhalte in Amazons AI-Trainingspipeline eingespeist hat. Livestreaming-Inhalte sind eine wertvolle und seltene Trainingsressource – ungeskriptete Sprache, Reaktionen in Echtzeit, natürliche Unterhaltung und visuelle Vielfalt, die auf andere Weise teuer zu beschaffen sind. Für Millionen von Streamern, die jahrelang ein Publikum und einen persönlichen Kamerastil aufgebaut haben, ist die Entdeckung, dass Videomaterial möglicherweise bereits in einem kommerziellen AI-Model eingebettet ist – ohne dass sie gefragt wurden –, der Kern des Gegenwinds.
Die Widerspruchsverteidigung
Während eines Livestreams, in dem Fragen von Nutzern beantwortet wurden, wurde Twitch Chief Product Officer Mike Minton direkt gefragt, warum die Einstellung nicht auf Basis einer vorherigen Zustimmung (opt-in) funktioniere. Seine Antwort war direkt: „Wenn das ein Opt-in wäre, würde sich niemand dafür entscheiden. Das ist ehrlich gesagt die Antwort.“ Das ist ein ungewöhnlich offenes Geständnis – Minton hat damit effektiv bestätigt, dass die Führungsebene von Twitch selbst erwartet, dass Creator einer solchen Nutzung ihrer Inhalte bei echter Wahlfreiheit nicht zustimmen würden, und hat die Einstellungsseite um diese Erwartung herum aufgebaut, anstatt umgekehrt.
Die Reaktion der Streaming-Community fiel scharf aus. Ein Kommentar im Support-Forum, in dem gefordert wird, die Einstellung auf Opt-in umzustellen, hat fast 14.000 Upvotes erhalten – eine für eine Plattform-Einstellungsbeschwerde ungewöhnlich große und schnelle Mobilisierung.
Teil eines größeren Musters
Twitchs Schritt folgt einem mittlerweile bekannten Muster in der gesamten Branche: Plattformen nutzen von Nutzern generierte Inhalte heimlich für das AI-Training, werden dabei erwischt oder zur Offenlegung gezwungen, und liefern dann einen Opt-out-Schalter aus, der als Datenschutzverbesserung dargestellt wird, anstatt die zugrundeliegende Frage der Zustimmung zu klären. Ähnliche Kontroversen haben sich in den letzten zwei Jahren bei Stockfotobibliotheken, Schreibplattformen und sozialen Netzwerken abgespielt. Was den Fall Twitch auszeichnet, ist das direkte, offizielle Geständnis des Produktchefs, dass der Standardwert speziell deshalb gewählt wurde, weil die Alternative zu wenige Trainingsdaten liefern würde – ein seltener Moment, in dem ein Unternehmen den stillen Teil über Opt-out-Standards laut ausgesprochen hat.
Für Streamer, die ihre Einstellung überprüfen oder ändern möchten, befindet sich diese in den Konto-Datenschutzeinstellungen von Twitch unter dem Umschalter für das AI-Training. Wie von TechCrunch berichtet.
Ursprünglich berichtet von TechCrunch. Lesen Sie den Originalartikel für weitere Details.
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