Coldcard-Hardware-Wallet-RNG-Schwachstelle ermöglichte Bitcoin-Diebstahl in Höhe von 88 Millionen Dollar über 4.585 Adressen

Eine kritische Schwachstelle in Coldcard-Hardware-Wallets wird mit dem Diebstahl von rund 88,6 Millionen US-Dollar in Bitcoin in Verbindung gebracht. Angreifer haben dabei 4.585 kompromittierte Adressen in zwei separaten Diebstahl-Ereignissen geleert. Die Schwachstelle, die auf einen Firmware-Integrationsfehler vom März 2021 zurückgeht, reduzierte die kryptografische Zufälligkeit, die private Schlüssel schützt, effektiv auf ein Niveau, das offline geknackt werden konnte – ohne das Hardware-Wallet selbst auch nur zu berühren.
Was schiefgelaufen ist
Der Fehler liegt darin, wie die Firmware des Coldcard Mk3 die Seed-Erzeugung handhabte. Als ein Firmware-Update im März 2021 ein neues Modul integrierte, wurde die Seed-Ableitung versehentlich über einen deterministischen Software-Pseudozufallszahlengenerator (PRNG) geleitet, statt über den vorgesehenen STM32-Hardware-RNG. Das Ergebnis war katastrophal: Die effektive Entropie fiel auf betroffenen Geräten von den erforderlichen 128 Bits auf rund 40 Bits.
Mit nur etwa 40 Bits Entropie kann ein Angreifer, der die UID des Geräts, den Timer-Zustand und die bisherige RNG-Aufrufhistorie kennt, Seed-Kandidaten vollständig offline rekonstruieren. Diese Kandidaten werden dann überprüft, indem die entsprechenden Bitcoin-Adressen abgeleitet und mit öffentlich sichtbaren Blockchain-Daten abgeglichen werden – kein Gerätezugriff nötig, keine Interaktion mit dem Opfer.
Der Diebstahl
Am 30. Juli 2026 schlug ein Angreifer mit chirurgischer Präzision zu: 1.196 Bitcoin-Adressen wurden in nur 41 Minuten geleert, was 1.082,65 BTC im Wert von etwa 70,2 Millionen US-Dollar einbrachte. Eine spätere Analyse korrigierte die Gesamtsumme auf 1.367,05 BTC über 4.585 Adressen – rund 88,6 Millionen US-Dollar – was darauf hindeutet, dass der Angreifer die Liste der verwundbaren Wallets weiter abarbeitete.
Die Schwachstelle wurde am 31. Juli 2026 öffentlich bekannt gegeben, einen Tag nach dem ersten Diebstahl. Die Muttergesellschaft von Coldcard veröffentlichte ein Notfall-Firmware-Update und begann, betroffene Nutzer zu informieren. Jeder, der auf einem Mk3-Gerät mit Firmware ab März 2021 einen Seed erzeugt hat, ist potenziell betroffen.
Was Nutzer tun sollten
Coldcard hat alle Mk3-Wallet-Besitzer nachdrücklich aufgefordert, sofort einen neuen Seed mit einem vollständig aktualisierten Gerät zu generieren, Gelder auf den neuen Seed zu übertragen und alle bestehenden Mk3-Seeds aus dem betroffenen Zeitraum als kompromittiert zu behandeln. Ersatzgeräte und Wiederherstellungsanleitungen werden betroffenen Kunden angeboten.
Hardware-Wallets gelten gerade deshalb als eine der sichersten Methoden zur Aufbewahrung von Kryptowährungen, weil sie die Generierung privater Schlüssel von internetverbundenen Geräten isolieren. Dieser Vorfall ist eine Erinnerung daran, dass Hardware-Isolation nur vor Remote-Angriffen schützt – ein fehlerhafter Zufallszahlengenerator macht diesen Schutz vollständig zunichte, denn die Schwachstelle liegt in der Mathematik, nicht im Netzwerk.
Wie BleepingComputer berichtet, prüfen Ermittler noch, ob weitere Adressen gefährdet sind.
Originally reported by BleepingComputer. Read the original article for additional details.
View original source