Blue Origin nutzt New-Glenn-Booster erneut, doch die Nutzlast verfehlt den Orbit

Blue Origin hat am Sonntag einen wichtigen Meilenstein erreicht und erstmals einen bereits geflogenen New-Glenn-Erststufenbooster erneut gestartet und erfolgreich geborgen. Das ist ein bedeutender Schritt für die langfristigen Startpläne des Unternehmens, denn wiederverwendbare Raketen sind der Schlüssel zu niedrigeren Kosten und einer höheren Startfrequenz.
Ganz erfolgreich war die Mission dennoch nicht. Nach der gelungenen Landung des Boosters auf der Bergungsplattform gelang es der Oberstufe nicht, den Satelliten BlueBird 7 von AST SpaceMobile in den vorgesehenen Orbit zu bringen. AST erklärte später, der Satellit habe sich nach der Trennung zwar eingeschaltet, die Umlaufbahn sei jedoch zu niedrig für einen Betrieb gewesen, weshalb der Satellit wieder deorbitiert werden soll.
Warum das wichtig ist
Für Blue Origin bleibt die erfolgreiche Bergung des Boosters trotzdem ein großer Erfolg. Die Wiederverwendung eines schweren orbitalen Boosters ist deutlich anspruchsvoller als die Rückholung eines suborbitalen Fahrzeugs, und genau diese Fähigkeit braucht New Glenn, um bei kommerziellen, staatlichen und weiter entfernten Missionen ernsthaft mitzuspielen.
Gleichzeitig nimmt der Fehler in der Oberstufe dem Erfolg einen Teil seines Glanzes. Startkunden bezahlen für ein Ergebnis, nicht nur für eine technisch beeindruckende Demonstration, und diese Mission brachte ihre Nutzlast nicht in eine brauchbare Umlaufbahn. Das wiegt umso schwerer, weil New Glenn künftig bei hochkarätigen Missionen mitwirken soll, von Amazons Raumfahrtplänen bis hin zu Elementen von NASAs Mondprogramm.
Ein Meilenstein mit Warnhinweis
Am treffendsten lässt sich dieser Flug als Fortschritt mit deutlichem Warnsignal beschreiben. Blue Origin hat einen wichtigen Teil der Wiederverwendungsstrategie von New Glenn bewiesen, aber zugleich gezeigt, dass das vollständige Missionsprofil noch nicht verlässlich genug ist, um als Routine zu gelten. In der Raumfahrt sorgt die Booster-Landung für Schlagzeilen, doch erst die Präzision der Oberstufe macht aus einem Meilenstein einen zuverlässigen Dienst.
Blue Origin hat jetzt also etwas zu feiern und zugleich ein dringendes Problem zu untersuchen. Wenn das Unternehmen die Oberstufenprobleme schnell behebt, könnte dieser Flug später dennoch als Wendepunkt gelten. Wenn nicht, könnten Zeitplan und Kundenvertrauen leiden.
Originally reported by Ars Technica. Read the original article for additional details.
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