Apple und Samsung bekommen D und D- beim neuen EU-Reparierbarkeitsindex für Smartphones

Motorola erzielte ein B+. Google bekam ein C-. Samsung landete bei D. Apple, der wertvollste Smartphone-Hersteller der Welt, erhielt ein D-. Das sind die ersten Noten, die unter dem neuen EU-Reparierbarkeitsindex für Smartphones vergeben wurden – und sie erzählen eine Geschichte, der die Branche jahrelang ausgewichen ist: Die Geräte, die Menschen am häufigsten kaufen, sind im Durchschnitt am schwersten zu reparieren.
Der Index ist seit dem 20. Juni 2025 auf dem EU-Energielabel verpflichtend. Er nutzt das Europäische Produktregister für die Energiekennzeichnung (EPREL), um jedes in der Union verkaufte Telefon von A (ausgezeichnet) bis E (schlecht) zu bewerten. Es handelt sich nicht um einen Marketing-Gag, sondern um eine strukturierte Punktzahl, die sich aus fünf messbaren Faktoren zusammensetzt: Wie viele Schritte sind nötig, um Akku oder Display zu ersetzen? Werden Standardwerkzeuge benötigt oder sind proprietäre erforderlich? Wie lange sind Ersatzteile verfügbar? Wie lange werden Software-Updates bereitgestellt? Und wie transparent ist die veröffentlichte Reparaturanleitung?
Warum die großen Marken schlechter abschneiden als die Außenseiter
Motorolas B+ ist kein Zufall. Die aktuellen Flaggschiff-Designs verwenden weniger proprietäre Verschlüsse, liefern offizielle Reparaturdokumentationen und verpflichten sich zu längeren Verfügbarkeitszeiträumen für Ersatzteile – Entscheidungen, die Motorola in puncto Leistung nichts kosten, aber echte Punkte im Index bringen. Samsung und Apple hingegen werden für genau die Designentscheidungen bestraft, die ihre Telefone dünn und dicht versiegelt machen: akkubefestigte Klebemontagen, nicht standardmäßige Schrauben und Software, die bislang die Erkennung von Drittanbieter-Teilen verweigert hat.
Dieser letzte Punkt ist der, auf den die Regulierungsbehörden am stärksten abzielen. „Part Pairing“ – also Software, die erkennt, dass ein Ersatzteil nicht werkseitig stammt, und dann Funktionen deaktiviert oder Warnungen ausgibt – ist explizit verboten unter der EU-Richtlinie zum Recht auf Reparatur, die ab dem 31. Juli 2026 in allen 27 Mitgliedsstaaten durchsetzbar wird. Apple und Samsung haben Part Pairing in früheren Gerätegenerationen eingesetzt; die Praxis birgt nun unabhängig von der Reparierbarkeitsnote ein direktes rechtliches Risiko in der EU.
Die Pflichten gehen weit über eine Buchstabenbewertung hinaus
Der Index sitzt zusätzlich auf einem separaten, härteren Paket rechtlicher Anforderungen. Hersteller müssen 15 Kategorien von Ersatzteilen professionellen Reparaturdiensten innerhalb von 5 bis 10 Arbeitstagen zur Verfügung stellen, und zwar sieben Jahre lang nach Einstellung eines Modells. Fünf dieser Teilekategorien – darunter Akkus, Displays und Rückabdeckungen – müssen auch direkt an Verbraucher verkauft werden, nicht nur an autorisierte Werkstätten. Software-Sperren, die den Betrieb von Drittanbieter- oder gebrauchten Teilen blockieren, sind grundsätzlich untersagt.
Die nächste große Frist ist noch einschneidender als die Kennzeichnungspflicht selbst: Ab dem 18. Februar 2027 muss jedes in der EU verkaufte Smartphone mit einem vom Nutzer austauschbaren Akku ausgeliefert werden. Diese einzelne Regel erzwingt ein Redesign, das aktuelle Flaggschiff-Modelle von Apple und Samsung nicht erfüllen, da beide Unternehmen derzeit Klebeakkus nutzen, um dünnere und wasserresistenter Gehäuse zu erreichen.
Was das bedeutet, wenn Sie ein Telefon kaufen
Für Verbraucher liegt der praktische Wert des Reparierbarkeitsindex darin, dass er direkt auf dem EU-Energielabel neben dem Telefon abgedruckt ist – am selben Ort wie Akkulaufzeit und IP-Schutzklasse – sodass man nicht auf der Nachhaltigkeitsseite des Herstellers suchen muss. Wenn Ihre Telefonstrategie lautet „Kaufen und mindestens vier Jahre behalten“, hat eine Bewertung von B+ oder besser einen echten finanziellen Wert: Sie korreliert direkt damit, ob ein Akkuwechsel 40 Euro in einer unabhängigen Werkstatt kostet oder 99 Euro plus Versand und Wartezeit in einem autorisierten Service-Center.
Für die Hersteller ist die Botschaft dieser ersten Noten, dass Reparierbarkeit nicht länger als Nischenfeature für die Fairphone-Gemeinde behandelt werden kann. Mit der Durchsetzbarkeit der Right-to-Repair-Richtlinie am 31. Juli 2026 und dem Mandat für vom Nutzer austauschbare Akkus im Februar 2027 steuern Apple und Samsung auf zwei aufeinanderfolgende Jahre regulatorischer Fristen zu, die echte Hardware-Änderungen erzwingen werden – nicht nur bessere Dokumentation.