KI-Browser sind noch zu klein, um Verlagen zu schaden — aber die standardmäßige Werbeblockierung ist das eigentliche Warnsignal

Perplexitys Comet-Browser erlebte einen der schnellsten Preisverfälle in der jüngeren Softwaregeschichte. Er wurde im Juli 2025 exklusiv für Abonnenten der 200-Dollar-Max-Stufe eingeführt. Bis Anfang Oktober 2025 war er weltweit kostenlos. Im November kostenlos auf Android. Bis März 2026 kostenlos auf iOS. Neun Monate von einem Luxusprodukt zu einem kostenlosen Download, mit standardmäßig integrierter Werbe- und Tracker-Blockierung.
Diese Entwicklung ist wichtiger als jedes einzelne Feature, denn sie zeigt, dass Perplexity nicht versucht, Comet als Produkt zu monetarisieren — sondern versucht, so schnell wie möglich Browser-Marktanteile zu gewinnen. OpenAIs ChatGPT Atlas, Googles Gemini-in-Chrome-Integrationen und verschiedene Experimente von The Browser Company folgen einer ähnlichen Entwicklung.
Für Verlage ist das kein abstrakter Wandel. Es greift gleichzeitig die beiden Säulen an, auf denen ihr Geschäftsmodell ruht. Die erste ist der Verweis-Traffic — wenn ein agentenbasierter Browser Informationen liest, zusammenfasst und darauf reagiert, ohne dass der Nutzer jemals zur Quellseite navigiert, verliert der Verlag den Seitenaufruf. Die zweite sind Werbeeinnahmen.
Laut Berichterstattung von Digiday ist die Stimmung der Verlage derzeit eine Mischung aus echter Alarmierung und kalkulierter Ruhe. Ein anonymer Verlag beschrieb agentenbasierte Browser als “3-Prozent-Problem” — real, aber noch nicht groß genug. Chrome allein kontrolliert immer noch etwa 70% des weltweiten Browser-Marktanteils.
Aber “3-Prozent-Problem” ist eine Beschreibung von heute, keine Prognose. Das IAB Tech Lab führt frühe Pilotprojekte für etwas namens Trusted-Server-Framework durch — ein Versuch, Verlagen und Werbetreibenden eine Möglichkeit zu geben, legitimen agentenbasierten Browser-Traffic von Bot-Traffic zu unterscheiden.
Was Verlage tatsächlich tun sollten: Zu warten, bis agentenbasierte Browser eine bedeutende Größenordnung erreichen, bevor eine Antwort aufgebaut wird, ist ein Fehler.